Jänner 13


„Baum fällt!“ hieß es gleich drei Mal Anfang des Monats. Nach mühevoller Hack- und Sägearbeit sollen die Kleinteile in zwei Jahren unseren Ofen heizen. Selbstverarbeitet soll ja Holz mehrmals wärmen!
Die Schneedecke hat endlich auch mal uns im Süden erreicht. Herrlich weiße Glitzerlandschaft -
bei Vollmond auch zum Lesen hell genug! Wir flitzten mit dem Bob den Hang runter, die Katzen spielen mit den Schneebällen, die Enten versuchen im Pulverschnee zu schwimmen – nur die Schafe und Hühner setzen ihre Füße lieber nicht in das verdächtige weiße Zeug da.

Dezember 12

Nach Wochen der Sorge, Pflege und Aufzucht der Katzenjungen – zeitweise drei Mal täglich Flascherlgeben – haben wir neue Zuhause für die Kleinen gefunden. Zwei Kater, der schwarze Nero
und der rot-gestreifte Nemo,
bleiben bei uns und werden Tom&Cherry in Zukunft bei der Mäusejagd unterstützen. Er war sooo schön
- und doch musste er in den Kochtopf, unser Hansi - Sohn von Johahn. 1 Kilo 90 und unser erster Brathahn - es kann eben nur einen Chef am Hühnerhof geben!

Der wichtigste Tag in diesem Monat, der 21., wurde von uns mit einem Sonnwendfeuer begangen – endlich werden die Tage wieder länger! Zeit auch für ein Resümee über das äußerst erfolgreiche und glückvolle Jahr: nach vier Jahren auf unserem Hof haben wir es geschafft, unsere gesamten Essenskosten (theoretisch) selbst erwirtschaften zu können. Natürlich kaufen wir Grundnahrungsmittel wie Milch, Mehl, Salz und Bier, aber unterm Strich können wir alles mit eigenen Produkten aufrechnen. Auch die Not-Ration in Form von flüssigem Gold (sprich Honig) lagert im Keller. Die nächsten Bestrebungen können jetzt nur mehr in Richtung Energie-Autarkie gehen, sowohl mit Einsparungen als auch mit Effizienzsteigerungen. Das Elektroauto steht leider noch in Frankreich, andere Projekte, wie Kompostklo, werden schon angedacht.

November 12

Ich halt’s einfach nicht mehr aus bis zum Monatsende: schon wieder Babys der entzückendsten Art:
 zwei der Kamerunschafe haben im zarten Alter von 10 Monaten Junge gekriegt. Die beiden Youngsters sind nach ein paar Tagen schon so mobil, dass sie der Herde voran hopsen und miteinander ständig Abfangen spielen. So eine Freude – für sie und uns! Wer da noch nicht verzückt ist, kann ja mal mit den Sechslingen spielen:
 
ihnen mit ihren 5 Wochen bei der Erkundung der Welt, der eigenen Tatzen oder meines Ohrläppchens zuzuschauen ist pures Glück.

Oktober 12

Zeit des Ernteeinfahrens und –danks. Neben den schon erwähnten Ausbeuten fielen jetzt noch an: 50 Kilo Uhudlertrauben, 850 Kilo Äpfel (inklusive Arthur)
und seit dreiWochen immer noch täglich 1 Kilo Fisolen –
frisch, grün, zart, gschmackig, bio, ein Traum! Gerhard hat eine apokalyptische Ansicht dazu, dass sich die Natur auf „irgendwas“ vorbereitet. Fakt ist, auch für die Tierwelt war es ein außerordentlich fruchtbares Jahr: die Spatzen haben den Nistkasten dreimal bebrütet, unsere eigenen Hasen, Hühner und Enten waren ausgesprochen produktiv, sogar die Aquariumfische haben Nachkommen und zu guter letzt auch noch unsere 6 Monate alte Cherry! Wir dachten, im Frühjahr wird sie ein paar Katzenbabys haben, aber dass sie so frühreif ist und im zarten Alter von einem halben Jahr selbst 6 Junge kriegt… 
 
Wir sind fasziniert, wie toll sie das ganz alleine hinkriegt und wie süüüß die Kleinen sind. Allen, die kritisch einwerfen wollen, wir sollten doch nicht noch mehr Katzen in die Welt setzen lassen, kann ich nur dagegenhalten: ein mail genügte und sie waren Facebook-Lieblinge mit zig-fachen Anfragen.

September 12

Aufmerksame LeserInnen werden befürchtet haben, dass bei uns im Burgenland der Monat August ausgefallen ist. Ganz so schlimm ist es nicht, es ist nur unser Computer abgestürzt, was uns gehörig durcheinander gewirbelt hat und wieder mal zur Überlegung anregt: Brauch ma des Kastl wirkli füa ois? In Zukunft also nehme ich mir vor, wieder mehr mit dem Kopf als mit der Tastatur zu arbeiten.
 Auch mit den Händen haben wir ganz schön zu tun gehabt: Ernte von je 50 Kilo Uhudlertrauben, Zucchini und Paradeiser inklusive Verarbeitung und Haltbarmachen derselben.
So entstanden Paradeissauce, - suppe, -ketchup, -getrocknet Uhudlersaft, -marmelade, -gelee und vieles mehr. Äpfel beginnen gerade zu reifen bzw. runterzufallen. Während zweier meditativer Apfelklaubstunden stellte ich mir und der Welt die Frage: wer bückt sich heutzutage noch, um einen unreifen vielleicht wurmstichigen Apfel aus der taunassen Wiese aufzuheben? Und wie viele wissen, wie herrlich der daraus gepresste Apfelsaft schmeckt?

Juli 12

Unser absoluter Höchststand von 73 Tieren wurde soeben – trotz einer Reduktion um 9 Wachteln - erreicht. In genau 1 Jahre haben die 6 Wachtelhennen nur 100 Eier gelegt (zum Vergleich: eine Legehenne liefert 300 Eier im Jahr): nett, aber zu wenig um den Aufwand, die Arbeit und den Platzbedarf zu rechtfertigen. Somit wurden sie ihrer zweiten Bestimmung zugeführt - nämlich der Pfanne. Details erspare ich Zartfühligen unter den LeserInnen. Schopfi hat soeben 7 blonde Küken ausgebrütet und die 11 geschenkten angebrüteten Eier von Eva sind auch in unserem Brutapparat zu perfekten kleinen Wesen geworden.
Sie gehören zur alten Rasse der Sulmtaler Hühner, werden bis zu 3,5 Kilo schwer und legen nicht turbomäßig aber viele Jahre ihre Eier. Sage und schreibe 9 Kilo Mohn haben wir aus den Kapseln geschüttelt –
war gar nicht sooo viel Arbeit; ungefähr gleich wie Erdäpfel. Wenn man’s betriebswirtschaftlich rechnet, müsste man die Arbeitsstunden mit den geernteten Kalorienmengen in Relation setzen. Also circa 50.000 kcal für den Mohn zu 200.000 kcal für die Erdäpfel der vergangenen Jahre am gleichen Acker. Auch wir Landpomerantschen rechnen mit, aber prinzipiell machen wir’s ja nur aus Spaß an der Freude…

Juni 12

Es hat das erste Mal mit dem Brutapparat geklappt: wir haben 4 süße kleine Entenküken auf die Welt gebracht – wortwörtlich! Zuerst hörten wir es im Ei piepsen, dann wurde von innen ein kleines Loch aufgeknackst, sodass der Schnabel zu sehen war. Ein paar Stunden später hatte sich das ganze Entlein mit mehr oder weniger Hilfe von uns aus dem Ei geschält, geräkelt und schon tollpatschig zu watscheln begonnen. Die 3 Buben und ein Mädchen bekamen einen Stall mit Rotlichtwärmelampe und konnten am 2. Tag schon im Suppenteller baden.
Seither wachsen sie täglich mindestens einen Zentimeter – wo soll das noch hinführen! Mama Emily kriegte wenige Tage später ihre selbst ausgebrüteten 5 Jungen und so haben wir zur Zeit eine 11-köpfige Entenschar unterschiedlicher Größe, aber alle watschelsüß.
NEU:
Nach 4 Wochen wurde aus dem Kindergarten schon eine laut quackende Meute
(4 Junge mit Papa im Vordergrund), die unsere Wiese mehrmals täglich auf und absaust. Wie man mit so kurzen Beinen so viele Meter machen kann ist uns rätselhaft.
Auch unsere brave Moni hat endlich beim dritten Anlauf 3 Küken produziert und führt sie stolz und wachsam durchs Gras. Die Schafherde wurde auf 5 reduziert, der Rest befindet sich im Tiefkühler oder in den Mägen zahlreicher Gourmets der Umgebung. In Zeiten wo man – besonders bei Fleisch – nicht mehr wissen kann, was man auf den Teller kriegt, hatten wir riesige Nachfrage nach unserem natürlich und langsam gewachsenen Lammfleisch. Das Heu ist eingefahren, der Mohn blüht,
die nächste Hasengeneration am Wachsen – ein einträglicher und arbeitsamer Monat geht zu Ende.