Oktober 12

Zeit des Ernteeinfahrens und –danks. Neben den schon erwähnten Ausbeuten fielen jetzt noch an: 50 Kilo Uhudlertrauben, 850 Kilo Äpfel (inklusive Arthur)
und seit dreiWochen immer noch täglich 1 Kilo Fisolen –
frisch, grün, zart, gschmackig, bio, ein Traum! Gerhard hat eine apokalyptische Ansicht dazu, dass sich die Natur auf „irgendwas“ vorbereitet. Fakt ist, auch für die Tierwelt war es ein außerordentlich fruchtbares Jahr: die Spatzen haben den Nistkasten dreimal bebrütet, unsere eigenen Hasen, Hühner und Enten waren ausgesprochen produktiv, sogar die Aquariumfische haben Nachkommen und zu guter letzt auch noch unsere 6 Monate alte Cherry! Wir dachten, im Frühjahr wird sie ein paar Katzenbabys haben, aber dass sie so frühreif ist und im zarten Alter von einem halben Jahr selbst 6 Junge kriegt… 
 
Wir sind fasziniert, wie toll sie das ganz alleine hinkriegt und wie süüüß die Kleinen sind. Allen, die kritisch einwerfen wollen, wir sollten doch nicht noch mehr Katzen in die Welt setzen lassen, kann ich nur dagegenhalten: ein mail genügte und sie waren Facebook-Lieblinge mit zig-fachen Anfragen.

September 12

Aufmerksame LeserInnen werden befürchtet haben, dass bei uns im Burgenland der Monat August ausgefallen ist. Ganz so schlimm ist es nicht, es ist nur unser Computer abgestürzt, was uns gehörig durcheinander gewirbelt hat und wieder mal zur Überlegung anregt: Brauch ma des Kastl wirkli füa ois? In Zukunft also nehme ich mir vor, wieder mehr mit dem Kopf als mit der Tastatur zu arbeiten.
 Auch mit den Händen haben wir ganz schön zu tun gehabt: Ernte von je 50 Kilo Uhudlertrauben, Zucchini und Paradeiser inklusive Verarbeitung und Haltbarmachen derselben.
So entstanden Paradeissauce, - suppe, -ketchup, -getrocknet Uhudlersaft, -marmelade, -gelee und vieles mehr. Äpfel beginnen gerade zu reifen bzw. runterzufallen. Während zweier meditativer Apfelklaubstunden stellte ich mir und der Welt die Frage: wer bückt sich heutzutage noch, um einen unreifen vielleicht wurmstichigen Apfel aus der taunassen Wiese aufzuheben? Und wie viele wissen, wie herrlich der daraus gepresste Apfelsaft schmeckt?

Juli 12

Unser absoluter Höchststand von 73 Tieren wurde soeben – trotz einer Reduktion um 9 Wachteln - erreicht. In genau 1 Jahre haben die 6 Wachtelhennen nur 100 Eier gelegt (zum Vergleich: eine Legehenne liefert 300 Eier im Jahr): nett, aber zu wenig um den Aufwand, die Arbeit und den Platzbedarf zu rechtfertigen. Somit wurden sie ihrer zweiten Bestimmung zugeführt - nämlich der Pfanne. Details erspare ich Zartfühligen unter den LeserInnen. Schopfi hat soeben 7 blonde Küken ausgebrütet und die 11 geschenkten angebrüteten Eier von Eva sind auch in unserem Brutapparat zu perfekten kleinen Wesen geworden.
Sie gehören zur alten Rasse der Sulmtaler Hühner, werden bis zu 3,5 Kilo schwer und legen nicht turbomäßig aber viele Jahre ihre Eier. Sage und schreibe 9 Kilo Mohn haben wir aus den Kapseln geschüttelt –
war gar nicht sooo viel Arbeit; ungefähr gleich wie Erdäpfel. Wenn man’s betriebswirtschaftlich rechnet, müsste man die Arbeitsstunden mit den geernteten Kalorienmengen in Relation setzen. Also circa 50.000 kcal für den Mohn zu 200.000 kcal für die Erdäpfel der vergangenen Jahre am gleichen Acker. Auch wir Landpomerantschen rechnen mit, aber prinzipiell machen wir’s ja nur aus Spaß an der Freude…

Juni 12

Es hat das erste Mal mit dem Brutapparat geklappt: wir haben 4 süße kleine Entenküken auf die Welt gebracht – wortwörtlich! Zuerst hörten wir es im Ei piepsen, dann wurde von innen ein kleines Loch aufgeknackst, sodass der Schnabel zu sehen war. Ein paar Stunden später hatte sich das ganze Entlein mit mehr oder weniger Hilfe von uns aus dem Ei geschält, geräkelt und schon tollpatschig zu watscheln begonnen. Die 3 Buben und ein Mädchen bekamen einen Stall mit Rotlichtwärmelampe und konnten am 2. Tag schon im Suppenteller baden.
Seither wachsen sie täglich mindestens einen Zentimeter – wo soll das noch hinführen! Mama Emily kriegte wenige Tage später ihre selbst ausgebrüteten 5 Jungen und so haben wir zur Zeit eine 11-köpfige Entenschar unterschiedlicher Größe, aber alle watschelsüß.
NEU:
Nach 4 Wochen wurde aus dem Kindergarten schon eine laut quackende Meute
(4 Junge mit Papa im Vordergrund), die unsere Wiese mehrmals täglich auf und absaust. Wie man mit so kurzen Beinen so viele Meter machen kann ist uns rätselhaft.
Auch unsere brave Moni hat endlich beim dritten Anlauf 3 Küken produziert und führt sie stolz und wachsam durchs Gras. Die Schafherde wurde auf 5 reduziert, der Rest befindet sich im Tiefkühler oder in den Mägen zahlreicher Gourmets der Umgebung. In Zeiten wo man – besonders bei Fleisch – nicht mehr wissen kann, was man auf den Teller kriegt, hatten wir riesige Nachfrage nach unserem natürlich und langsam gewachsenen Lammfleisch. Das Heu ist eingefahren, der Mohn blüht,
die nächste Hasengeneration am Wachsen – ein einträglicher und arbeitsamer Monat geht zu Ende.

Mai 12

Endlich sind wir mit den zwei süßesten Katzen wieder eine vollständige Bauernhof-Familie:
Tom&Cherry bekamen wir als 8 Wochen alte Wollknäuel. Es ist so ein Spaß, ihnen beim Spielen und Tollen zuzusehen, dass man denkt, eine Katze sollte nie allein sein. Sie erkunden schön langsam ihr neues zu Hause am Hof, Cherry hat sogar schon eine Baby-Maus gefangen! Nur meine Allergie muss sich noch an die neuen Reize gewöhnen.
Gerhards neuestes Werk/Spielzeug soll uns in Zeiten wie diesen, wo ev. der Euro nicht mehr das Maß aller Dinge ist, eine Wertanlage, Werkzeug und Einkommenshilfe sein.
Der Kuckuck schreit, die Grillen zirpen, die Frösche quaken, die Bienen summen – eine ohrenbetäubende Stille!

April 12

Der Klassiker: der Bauer sticht sich mit der rostigen Mistgabel durch den Gummistiefel in den Zehen.

Nein, kein Burgenländerwitz sondern ernste Tatsache, die aufgrund der Infektionsgefahr ziemlich dramatisch aussah, glücklicherweise aber gut ausging: er kann schon wieder arbeiten! Nicht auszudenken, wenn einer von uns seine Arbeitskraft einbüßte…
Durch Gerhards einwöchige Einbeinigkeit kam ich also in den Genuss, als Stallbursch und Imkerlehrling zu fungieren. So durfte ich auch täglich um 7 Uhr erleben, wie die Enten und Hühner ungeduldigst darauf warten, dass die Türln aufgehen, damit sie mit ihrer Schnecken-Patrouille bzw. Regenwurm-Kontrolle loslegen können. Gibt’s da nicht ein Sprichwort: Nur der frühe Vogel fängt den Wurm?! Wie wahr.
Die Kamerunschafherde ist eingetroffen:
5 hat sich der Nachbar als Rasenmäher genommen, 9 sind bei uns geblieben. Es ist für uns wieder eine ganz neue Erfahrung, eine Herde zu beobachten: sie verhält sich bei Furcht, Wohlbefinden, Regen, Füttern wie ein eigener Organismus und hat spezielle Verhaltensweisen. Natürlich sind auch Karla, Kamilla, Kandi, Kati und Karlos eigene Charaktere – bis jetzt eher scheu, nur langsam auch ein bissl neugierig.
Die Umgestaltung der Hühner-Tür als Rustikal-Design-Kreation.

März 12

Gesagt – getan: die 1000 Meter Lärchenbretter waren schnell abgemessen, bestellt und montiert

– zumindest wenn man Gerhard heißt. Der Gesamteindruck des Grundstücks hat sich komplett verändert, strukturierter und eben mehr wie eine Ranch. Die Schäfchen werden grade noch gezählt und kommen in Kürze. Erwin meinte, der Zaun wäre sogar für Elefanten geeignet – wer weiß, was uns noch alles einfällt!
Die Schlehen blühen, die Palmkätzchen sind schon vorbei
– alles 2 Wochen früher als sonst. Außerdem haben wir seit geschlagenen 5 Monaten praktisch keinen Regen mehr. Alles staubtrocken. Wir warten mit dem Säen bis 5 Minuten vor den ersten Regentropfen, sonst geht da gar nix. Mit Hilfe von oben (aus der Gießkanne) können wir schon köstlichen Vogerlsalat ernten und essen – jedes Jahr ein Genuss an Geschmack. Jahreszeiten haben halt doch ihren Sinn. So freuen wir uns alle 12 Monate wieder aufs Neue.
Eine von vielen Reaktionen auf unsere homepage, diesmal von Leni: “Reading your blog is more relaxing than all my yoga-lessons!“ Thanks Leni.