Jänner 10

Pläne, Pläne, Pläne. Wir freuen uns schon auf die neuen Projekte, die da wären:
- der untere Teil unseres Grundstücks ist das ganze Jahr über so feucht, dass Gerhard dort kaum mit dem Traktor mähen kann. So würde sich eine alternative Bewirtschaftung anbieten, z.B. eine Christbaumanpflanzung, was wegen des regen Wildwechsels einen Wildzaun, Stützen, etc. benötigen wird.
- Gemüsegarten muss heuer ernsthaft angegangen werden, frei nach dem Hianzn-Gedicht: A Haisl muiß a Gartl hom, a Gartl und an Zaun, und wann dei Haisl koa Gartl hot, oft sulltst da gschwind oans baun! Also muss der Garten abgesteckt werden, vermessen, Holz bestellt und der Zaun gebaut werden – am liebsten so einen altvatrischen Holzzaun.
- Die Förderung für die Photovoltaikanlage ist nach nervenzerfetzender Wartelistenaufrückung nun doch genehmigt worden. Also bekommen wir noch im Frühjahr die Kollektoren aufs Hausdach gestellt, um unseren eigenen Strom produzieren zu können. Die Arbeit wird zwar die Profi-Firma erledigen, wir sind aber trotzdem schon aufgeregt wegen der neuen Hi-Tech Ausstattung, die wahrscheinlich für den Klimawandel global mehr bringt als ganz Kopenhagen ;-(

Dezember 09

Ja, der Eierlikör war ein Renner. Jetzt wo die Hendln noch brav Eier legen hab ich ja genug Ressourcen. Laut Vorjahrsstatistik waren nämlich der April und der November die stärksten Monate; Dezember auch nicht schlecht. Aber ab exakt 1. Jänner hatten unsere Mitarbeiterinnen die Eierlegarbeit niedergelegt und sich für ein paar Wochen nur mehr der Schönheit gewidmet – sprich Mauser. Seit der selige Anton nicht mehr ist, und auch die drei Junghähne gebacken wurden, dachten wir, dass es die Hühner bei Jung-August etwas gemütlicher haben werden. Weit gefehlt: da er noch nicht so versiert ist wie sein Vorgänger, muss er die Mädls immer erst quer durch den Hühnerhof jagen um sie zu erwischen. Kein Wunder, dass alle knackige Schenkerln haben! Wildhühner sagt man dazu; hatten alle sehr muskulöses Fleisch, etwas dunkler und wesentlich geschmackvoller als die armen Artgenossen aus der Hendlfabrik.
Die Erntesaison für Topinambur hat gerade erst begonnen. Diese Erdknolle kann den ganzen Winter über geerntet werden, solange der Boden halt frostfrei ist. Sie ist extrem gesund (wegen des Inulingehalts besonders für Zuckerkranke), ballaststoffreich und kalorienarm. In der Küche leicht zu verarbeiten als Rohkost, Suppe, Püree, Chips oder Gemüsebeilage. Unter der Erde warten noch ca. 100kg auf euch!
Unser Einzug ins neue Haus jährt sich dieser Tage zum ersten Mal und wir können auf ein arbeitsreiches, trotzdem entspanntes Jahr zurückblicken. Ein Jahr mit wesentlich weniger Autofahrten, Ausgaben aber auch Einnahmen. Unterm Strich ergibt sich für uns – besonders für Gerhard nach 30 Jahren Berufstätigkeit, stressigem Arbeitsalltag, hektischem Großstadtleben, Parkplatzsuche, Lärm und Menschenmengen - ein extrem angenehmer Lebensstil in absoluter Ruhelage,unmittelbarem Kontakt zu Natur und Tieren sowie ausgesucht netten Menschen. Geld, Urlaub, Oper, Sushi gehen uns nicht ab, angesichts der einfachen und positiven Lebensweise hier (o.k. Sushi manchmal schon).
NEU:
Zu Winterbeginn fanden wir einen Wechsel der Fototapete in unserem Wohnzimmer passend. Weihnachten war bei uns Stressless Christmas: wegen der trockenen Luft im Haus hat sich auch der Aufwand mit dem Aufputz auf einen Likörflascherlträger (siehe unten) reduziert. So blieb uns genug Zeit für ausgedehnte Spaziergänge bei Temperaturen von minus 15 bis plus 18 – innerhalb einer Woche. Jürgen kam genau richtig zum Weihnachtskaffee auf der Terrasse. Arthur bekam von Opa ein selbstgebasteltes Schaukelschaf. Wir blicken zurück auf ein Jahr voller harter Hausbau- und Bauernarbeit, Entspannungsphasen beim Lesen und Basteln, viel Freude und neuen Erfahrungen mit den Tieren, Besuche von alten und neuen Freunden. Für das kommende Jahr haben wir schon wieder spannende Pläne, Projekte und Ideen – lasst euch überraschen!

November 09

Wir gratulieren dem neuen Mieter: Norbert hat sich entschieden unser Bauernhaus zu mieten/kaufen. Wir hoffen, er fühlt sich dort wohl und möchte dort gar nicht mehr ausziehen.
Advent steht vor der Tür und ich bin wieder mal beim Adventkranzbinden.
Ganz frisches Reisig wird zu Naturkränzen, -gestecken und –türhängern gewunden. Es ist eine Freude mit dem duftenden Material zu arbeiten – besonders bei so frühlingshaften Temperaturen, wo ich mir bei der Arbeit im Freien nicht die Zehen abfrieren muss. Der Verkauf findet heuer vor unserem (neuen) Haus statt und natürlich wieder in der „Filiale“ in Wien 17, im Gasthaus Seiser. Neben dem frischen Eierlikör gibt es dort auch die berühmten Marmeladen, Chutneys und Tees vom Bauernhofweber.
Derzeitiger Tierbestand: 3 Schafe, 5 Hasen, 14 Hühner – hält Gerhard immer noch auf Trab, wenn er nicht grade in der Sauna sitzt...

Oktober 09

3 Generationen auf 1 Traktor!

Ein herrlich langer, sonniger, heißer Sommer soll angeblich heute zu Ende gehen. Wahrscheinlich weil wir nicht – wie all die früheren Jahre immer – auf Urlaub (Urlaub? Was ist das?) waren, kam uns die Schönwetterperiode besonders lang vor. Wir haben’s genossen: jeden Tag Frühstück auf der Terrasse, gefolgt von unseren diversen Wiesen-, Weiden- oder Feldarbeiten. Auch die klaren Nächte sind im Südburgenland eine Attraktion: so viele Sterne wie man sie sonst nur mehr in Australien sieht. Fragt mal Martina und Thomas – die haben hier das erste Mal in ihrem Leben die Milchstraße gesehen. Das günstige Klima lässt in unserer Region Kiwis, Kakis und andere Exoten gedeihen. Bei uns wachsen Topinambur in den Himmel (4 Meter – ehrlich) und die Feigen in den Mund!
NEU:
Unser zweiter Markttag war charakterisiert von kaltem Wetter, heißem Glühwein und herzerwärmenden BesucherInnen. Ein Tag voller netter Gespräche und köstlicher Palatschinken.
Gerhard hat sich auch in anderer Weise selbst übertroffen: unser Haus ist fertig! Fix und fertig, inklusive Sauna. Die war vor dem Winter noch schnell das Tüpfelchen am i. Beheizt wird sie mit ein paar Scheitln Holz im Holzofen – billig und schnell. Die Abwärme wird in unserem Energiesparhaus sogar noch in die Heizung geleitet...
Viechermäßig dezimieren wir uns mit Einbruch der kalten und futterlosen Jahreszeit um einiges. Von den Kaninchen bleiben nur 3 Weibchen und 1 Stammhalter und von den Hühnern mussten wir den schönen Anton schon dem Suppentopf opfern. Er hat es mit seinem Harem zu bunt getrieben: die braven Hühner hatten keine Federn mehr am Rücken vor lauter Liebe. Jetzt können sie schnell noch vor der Kälte nachwachsen – Eier legen werden die Fleißigen ja auch ohne Hahn. Bis zum Frühjahr sollten dann auch unsere Junghähne schon für Küken sorgen können. Übrigens: schon mal einen Junghahn im Stimmbruch gehört? Einen Falken direkt vor dem Fenster seine Beute verstecken gesehen? Eichelhähern beim Streiten zugehört? Die Wunder der Natur direkt vor unserer Nase...
Auch VIPs kommen in unsere Ecke - Jürgen, zum Beispiel, mit dem Hubschrauber ;-)

September 09

An den wachsenden Blog-Schreibintervallen erkennt ihr, dass Aussteiger nicht sehr häufig Musestunden haben um sich mal in Ruhe vor den Computer, geschweige denn in den Liegestuhl zu setzen: die Herbstheumahd ist eingebracht und auch schon verkauft – war, nach den vielen Anrufen auf das Zeitungsinserat zu urteilen, sehr begehrt! Die Erdäpfel alle (händisch) ausgegraben: die Ernte heuer (auf 1kg Gesetzte: 3kg Geerntete) leider nicht annähernd so gut wie im Vorjahr (1:10)! Schmecken trotzdem sensationell – richtig nach Erdäpfel! Auch ausverkauft! Gerhard hat den leeren Acker gepflügt und geeggt und darauf gleich Klee gesät, damit wir fürs nächste Jahr schon den Un-, pardon, Beikräutern zuvorkommen.
Die – mittlerweile – Junghühner sind jetzt endlich so dick geworden, dass sie sich nicht mehr jeden Morgen durch den Maschendraht zwängen können und sich frei in der Umgebung herumtreiben. Ich hab’s ihnen ja gegönnt, dass sie sich in Ruhe (nicht von den Großen belästigt und verscheucht) über unsere Heuschrecken und anderes Getier hermachen konnten, aber abends haperte es halt immer an ihrem Orientierungssinn. Sie haben einfach nicht mehr in den Stall gefunden, wo sie sich beizeiten ihren Schlafplatz auf der Stange sichern hätten sollen. Entweder versuchten sie’s über die Hasen- oder Menschentür, von oben übers Heu oder versteckten sich hinter den Oleandern. Eine abendliche Such- und Jagdpartie für uns – und sie rennen schon schneller als wir! Ach ja, von den sechs sind wahrscheinlich vier (!) Hähne – dem fortgeschrittenen Kammwachstum nach. Glück für den Suppentopf aber Pech für die Eierleistung nächstes Jahr :-(!
Der nächste Markttag steht schon fest: Sonntag, 18.10, 10-16h am alten Bauernhof. Die meisten Möbel sind schon verkauft, aber im Lager stapeln sich über 100 Gläser und Flaschen mit Selbstgepflücktem und –eingemachtem: Waldbrombeermarmelade, Powidl, Hollerbeerensaft, Weinbergpfirsich in Cognac, Kürbis-Chutney, u.v.a. Bei den fünf anderen Ausstellern gibt’s wieder Kräuterprodukte, Seifen, Kindersachen, G’wand, Kunst, Kitsch und andere Schätze. Diesmal neu: „Gerhards Palatschinken“ mit Eierlikör oder Marmeladen-Füllung.

August 09

Die Arbesthaler waren da! Maria und Harald, Bettina und Peter ließen sich von der Südburgenländischen Idylle mitreißen. Lucas, 2, interessierte sich lebhaft für die Fütterung unseres Kleinviehs und könnte schon bald als Jungbauer anheuern. Andreas, 12, auch Arbesthaler, war unser erstes Ferienkind und für eine Woche Gerhards Co-Pilot bei allen Traktorfahrten. Brombeerpflücken, Hasenstallbasteln und Erdäpfelernten („Ahh, deshalb Äpfel in der Erde!“) konnten ihn fast so sehr begeistern wie seine ersten Selbstfahrerfahrungen mit dem Ferguson. Unser erster Floh- und Bauernmarkt am alten, jetzt leerstehenden Bauernhof war ein voller Erfolg: sieben Aussteller mit Waren aller Art, von Keramikkunst, Biomarmeladen, Hufeisen, Kürbissen bis zu Nachttöpfen, verbrachten einen herrlichen Sommertag in unserem Innenhof bei netten Gesprächen und ganz nebenbei auch Einnahmen. Nächster Markttag im Oktober!
Das kulturelle Highlight des Monats wird ein Kinobesuch in Oberwart sein. Die paar Stunden werden wir uns heimlich frei nehmen. Wir hoffen, dass dabei nicht Überraschungen passieren, wie bei anderen kurzen Abwesenheitszeiten, wo ein Reh den Schafzaun umlegt, der Rammler über den Zaun zu den Angebetenen springt (noch mehr Hasenbabies???), das Huhn im Hasenstall schläft, etc. So ruhig wir es hier haben, bei 39 Tieren ist doch immer was los!
BIO-Erdäpfel zu verkaufen!
Soziologie der Hühner: also uneingeschränkte Nr. 1 ist natürlich Anton, der Hahn, was Aufsicht, Futterfinden und Wichtigkeit betrifft. Danach kommen gleich die braunen Monis aus dem Vorjahr, Nr. 3 erst die schwarzen Minis von heuer und ganz aktuell haben die auch wen zum Hinpecken gekriegt: die heranwachsenden Küken (links hinten).

Aber auch nur, wenn die Glucke grade nicht hinschaut, denn sonst kriegt’s jede mit Mama zu tun, die sich ihren Jungen nähert. Sie plustert sich auf, gackert und geht im Sturzflug auf eventuelle Möchtegernangreifer los. Die Kleinen haben sich mit ihren zwei Monaten schon zu ansehnlichen Kleinhühnern entwickelt, nachdem sie dem Küken- und später dem Teenagerstadium (lange Haxn und noch ein bissl patschert) rasch entwachsen sind.
In unserer Region Südburgenland hat sich ein Tauschkreis neu formiert: http://talentetausch.ning.com. Hier versuchen Mitglieder bargeldlos Talente, Waren, Produkte, etc. zu tauschen. Der Vorteil des Kreises ist, dass man Ein- und Verkäufe nicht direkt tauschen oder zahlen muss, sondern auf ein Konto gutschreibt, bis sich das passende Gegengeschäft innerhalb der Gruppe ergibt. Nette Idee und interessante Leute, die wir da kennen lernen – viele Gleichgesinnte, die auch „anders“ leben wollen. Aber auch als erweiterte Nachbarschaftshilfe funktioniert Tauschen: Eier gegen Gemüse, Sonnenschirm gegen Marmelade, Erdäpfel gegen Euros (na ja, macht auch Freude!)
Mein Geburtstag ließ sich heuer angesichts der enormen Zahl nicht mehr verheimlichen, worüber ich im Nachhinein aber sehr froh war. Ich lud zu zwei kleinen Feiern,

wurde aber auch mit einem toskanischen Sektfrühstück bei Robert und einem steirischen Picknick von Susi und Richard überrascht – ganz lieb, danke! Das tröstet ;-)

Juli 09

Endlich hat es doch noch geklappt mit den Küken: wieder ein Wunder, wie aus einem Frühstücksei so ein perfektes Wesen schlüpfen kann und in ein paar Stunden schon lustig rumlauft und –piepst!

Bis jetzt 2 Schwarze und ein Gelbes – goldigst! 16 Hasen 6 Wochen alt: ein Anblick purer Lebensfreude :-)
Weniger nett die Wetterverhältnisse der letzten 10 Tage: wir hatten ca. 200 Liter Regen/m² - ein Zweimonatspensum in wenigen Stunden darnieder geprasselt. Die ganze Region steht unter Wasser; da sind wir mit der weggespülten Straße und Stiege ja noch gut weg gekommen! Aufräumarbeiten müssen warten bis uns der Boden wieder trägt...
Unser erster WOOFER ist angekommen: Rudi hat uns ein paar Tage als Gast/Arbeiter besucht und angeblich das Schwitzen genossen! Hier baut er mit Gerhard gerade die Sauna auf – Transpirieren erlaubt. Ach ja, gut beobachtet! Sie steht im Freien, denn aus Altergründen (der Sauna, nicht unseren) ist sie nur mehr als Holzhütte geeignet, aber sehr praktisch! Danke Rudi!

Die Kükenzahl hat sich mit ein bissl Geburtshilfe unsererseits (in einem Ei hat es schon gepiepst, da haben wir es halt aufgemacht!) auf 6 erhöht. Am zweiten Tag ihres Lebens konnten die Piepis schon Würmer aufpicken und wegrennen - sie wussten allerdings nicht genau wozu. Am dritten Tag putzten sie sich noch tüchtig ihren Flaum, denn seit dem Vierten kommen jetzt täglich mehr Federn dazu. Eine Entwicklungsgeschichte im Zeitraffer!

Nach den Wassermassen der letzten Wochen hat sich der Pegel in unseren Teichen wieder normalisiert. Der Große enthält bereits gezählte 19 grüne Teichfrösche, die sich köstlich mit den Gelsen amüsieren. Ein Schwarzstorch (!) und ein Reiher haben sich die Sache schon mal von oben angesehen. Bin gespannt, wer sich als erstes an die Spitze der Nahrungskette stellt. Der Kleine beherbergt schon eine blühende Seerose (von Roberts Pool übersiedelt), eine Kröte und verschiedene Libellenarten. Eine Natur-Idylle ohne Plastik und Chemie!