Februar 09

Auch Spaß muss sein: bei den ersten paar Zentimetern Schnee haben wir unsere snow-tubes ausprobiert und sind auf gut burgenländlich mit den Gummireifen mit Höllengeschwindigkeit unseren Hang hinuntergerutscht. Völlig unkontrollierbar aber ohne Hindernisse – eine Riesengaudi; und Kondition brauchst du genug um wieder rauf zu stapfen. Herrlich!
Die Hendln haben volle zwei Tage gebraucht um sich an das „weisse Etwas da draussen“ zu gewöhnen – sind aber von da an mutig durch keulenhohen Schnee stolziert. Seit sie keinen Zaun mehr haben, zeigen sie sich überhaupt von ihrer abenteuerlustigen Seite: sei es beim Erkunden der faulen Äpfel unter den Nachbarsbäumen, Finden von trockenen Sandstellen zum Baden oder bei Einbruch der Dämmerung im „Hendlmarsch“ ganz brav hinter Hahn Anton heim zu marschieren. Das Schneeschmelzwasser vom ganzen Hang hat unseren Teich in wenigen Tagen auf über 80cm angefüllt. Am ersten frühlingsähnlichen Tag führten wir die Gänse Gusti&Gundi (oder Gusti&Gusti???) zu einem Badeausflug: sie durften das erste Mal in diesem echt tiefen Teich nach Herzenslust plantschen, flattern, gleiten. Ein Genuss – auch für uns beim Zusehen!
Auch im Haus hat sich einiges getan: die Böden sind fertig – staubfrei ist die neue Devise. Bei Schönwetter können wir immer ein paar Möbelstücke übersiedeln und so entwickelt sich langsam ein richtiges Wohngefühl. Fassade ist fertig, Gerüst abgebaut – ein uneingeschränkter Ausblick hat sich aufgetan.
Gretl und Liesl hatten ihre Hasenhochzeitsnacht mit Jakob. Bei dem unromantischen Typen hat das Kennenlernen nur zwei Sekunden gedauert... Wir hoffen „es“ hat trotzdem geklappt und wir kriegen in 30 Tagen Häschennachwuchs im zweistelligen Bereich.
Auch Brickerl sollte sich schon in anderen Umständen befinden – bei dem langen Zottelfell leider nicht zu erkennen. Beim nächsten oder übernächsten Vollmond wird sie höchstwahrscheinlich ein, oder vielleicht sogar zwei kleine schwarze Lämmchen auf die Welt bringen – kann sie alles ganz alleine!
1000 ist die Zahl der Stunde: erstens die Menge der Eier, die unsere 5 Hühner in 10 Monaten gelegt haben. Und zweitens beinahe die Anzahl von euch Interessierten, die unsere Homepage in einem Jahr besucht haben. Die Betonung liegt auf beinahe, denn die/der - laut Zähler - 1000. BesucherIn erhält von uns ein Bio-Bauernhofwebergeschenk. Bitte per e-mail melden und persönlich abholen – das muss gefeiert werden! Die Homepage war in unserer Aufbauphase eine sehr nette Möglichkeit mit alten und neuen Bekannten Kontakt zu halten denn ihr erfreut uns immer wieder mit euren positiven Kommentaren.
Die Inneneinrichtung nimmt langsam endgültige Gestalt an. Wir freuen uns täglich über die licht- und meist sonnendurchfluteten Wohnräume.

Jänner 09

Der Innenausbau schreitet langsam aber stetig voran. Das Spachteln aller Fugen dauert eine Unendlichkeit und wir können’s fast nicht mehr erwarten, bis die Wände in weiss erstrahlen. Wir versuchen bei der Einrichtung natürlich Vorhandenes wieder zu verwenden, trotzdem muss einiges an Inventar und Geräten erneuert werden. Wo bleibt bei so einem High-Tech-Haus das einfache Leben, das wir uns vorgenommen haben? Der Unterschied liegt wahrscheinlich im Kopf, denn wir nehmen uns vor, nur Notwendiges zu besitzen, während man – besonders in der Weihnachtszeit – rundum beobachten konnte, wie von vielen das Unnütze zum Lebensmittelpunkt erkoren wird. Weiters erwarten wir uns langfristig, unsere Energiekosten mithilfe der neuesten Technologie so niedrig als möglich zu halten. Der benötigte Strom kommt vorerst aus der energie-autarken Stadt Güssing – später mal von unserem eigenen Dach über die Photovoltaik-Anlage. Güssing gilt übrigens in vielem als Vorreiter, wie Prof. Dujmovich zu sagen pflegte:“Die Letzten werden die Ersten sein.“ Sie haben eine Ampel hier in Güssing ...

NEU:
Schweren Herzens müssen wir unseren alten Bauernhof verkaufen: Baujahr 1952, 100 m² auf 3 Zimmer, Küche, Speis mit Dachbodenaufgang, Bad/WC, Tischholzherd für Zentralheizung und Warmwasserboiler, Außenzugang zu Erdkeller und Stall/Werkstatt; 100 m² Stadl, 1850 m² Obstbaumwiese, Uhudlerlaube, ruhige Lage in den Bergen (Radfahren und Schwammerlsuchen), 10 km nach Güssing (Einkaufen und Kultur) oder Stegersbach (Thermen und Golf). Wir hoffen auf nette Nachfolger, die die idyllische südburgenländische Umgebung schätzen können.
Ein bisschen Kultur und Menschen kennen lernen habe ich mir vorgenommen. Mein neuer Job als rasende Reporterin bei einem weltberühmten Güssinger Bezirksblatt vereint beides auf abwechslungsreiche Weise – mit gleich drei Artikeln von mir in der ersten Woche ein Blitzstart! An die Journalisten-Branche habe ich mich ja in den letzten Jahren schon mit einer Dorfzeitung und diesem blog herangetastet – wer weiß, vielleicht wird sogar ein Buch daraus?

Dezember 08

Wir haben eine Heizung!!! Sie läuft und läuft, aber mit ihren 1,4kW schafft sie es halt nicht so schnell behagliche Wärme im Haus zu verbreiten. Dafür kann sie uns langfristig extrem sparsam Wärme erhalten. In ein paar Tagen soll das Haus auf Wohntemperatur gebracht sein und dann kann uns fast nichts mehr davon abhalten, das Klappbett im Neubau aufzubauen.
Die beiden Schafe haben sich schon gut eingewöhnt und gemächlich mit ihrer Grasmäharbeit begonnen. Alle anderen Tiere warten noch geduldig auf die Übersiedlung: Hühner sind noch extrem legefreudig, Hasen fressfreudig und die Gänse neugierig bis zur Zerstörung: alles wird angeknabbert – von Himbeerstauden bis Plastiksessel. (Gänse- oder Menschenzäune am neuen Grund mit der frischen Bepflanzung muss ich mir noch gut überlegen.) Ob sie nun wirklich ein Pärchen sind, haben wir übrigens noch immer nicht bestätigen können. Der Beweis wird im Frühjahr erbracht werden, wenn eine Gans Eier zu legen beginnt – oder beide – oder eben keine!
Die Aussicht auf eine neuerliche Übersiedlung (meine 15. oder so) macht mich ein bissl wehmütig: o.k., wir haben hier hin und wieder Strassen- und Hundelärm, aber die netten Nachbarn, jederzeit zu einem Tratscherl am Zaun oder auf der Gasse aufgelegt, werden mir in der neuen Einsamkeit in St. Michael schon fehlen. (Ja, als wir noch in der Siedlung in NÖ gewohnt haben, hab ich mir diese Einsamkeit oft, wie nichts auf der Welt, gewünscht!) So habe ich begonnen, die alten Geschichten von den BurgenländerInnen hier aufzuschreiben – sonst werden sie vielleicht bald vergessen! Für mich als Stadtkind, in Graz aufgewachsen, klingen viele dieser Erzählungen wie aus einer anderen Welt. Nachzulesen im neuen, ständig wachsenden Kapitel „Wias friacha war“.
NEU:
Die Toni ist weg! Sie wurde am Montag noch beim Wirt’n gesehen, wir haben sie eingefangen aber am Mittwoch war sie dann endgültig verschwunden – spurlos. Keine Anzeichen von Kampf mit dem Fuchs o.ä. Wir sind schon sehr traurig, denn sie war auch eine ganz Brave: fast täglich ein Ei gelegt. Daraufhin haben wir dann gleich alle Tiere übersiedelt. Sie haben sich scheinbar gut eingewöhnt, besonders Hasen und Hühner freuen sich über ihr neues Revier, das es ausgiebig zu beschnuppern bzw. zerpecken gilt. Gustav&Gundi sind ein bissl beleidigt, weil sie wieder einen Zaun gekriegt haben. Es ist doch (auch) zu eurer eigenen Sicherheit! Zu melden gibt’s für die Gänse auf der einsamen Wiese jedenfalls nix mehr: keine Autos, Fremden oder Hunde. Hin und wieder ein Habicht über ihnen, dann legen sie beide die Köpfe schief, um ganz genau zu beobachten und abzuwägen, wie gefährlich die Bedrohung ist. Das nasse Wetter und der Gatsch machen uns allen zu schaffen. Dieser Lehm klebt – besonders an Schuhsohlen, Hendl- und Gänsefüßen. Die Armen! Haben es wirklich schwer mit dem Extra-Gewicht an den Watschelfüßen!
Unser Adventkalender war heuer ein Umzugskalender – ist sich genau mit der Übersiedlung unseres Ausziehsofas ausgegangen und so leben wir z.Z. im Wohnklo mit Dusche.
Zu Weihnachten gab’s heuer so viele Packerln! Genau 110 – von IKEA zum Küchenbasteln! Welche Freude, und nach 5 Tagen steht und funktioniert schon das Wichtigste – und sie ist so schön wie wir’s wollten...
Nach dem Verlust von Huhn Toni haben uns die Holzers zum Trost einen Hahn geschenkt: Anton. Er hält seinen kleinen 4-köpfigen Harem ganz toll zusammen: die Mädls haben ihn vom ersten Augenblick an akzeptiert und bewundert. Sie bleiben jetzt immer brav zusammen und laufen gleich zu ihm wenn er gluckst und für sie einen Leckerbissen gefunden hat. Ja, krähen kann er auch: ab viertel fünf hören wir ihn durch die Dreifachverglasung. Die Gänse neben ihm denken sich auch ihren Teil und schreien aus Sympathie/Schreck/Angst laut mit. Wie gut, dass es sonst niemand hören kann. Der Grundstein für die Bremer Stadtmusikanten wäre gelegt. What next?

Wias friacha war


Kurt erzählt: Früher hamma alles selber gmacht. Da hats ka Ablaufdatum geben. Das Kraut is in den großen Holzbottich eingstampft worden. Der hat gut 100 Liter gehabt. Als Bub hab ich selbst mit den Füßen getreten, später dann mit dem Stössel. Das Sauerkraut hat das ganze Jahr halten müssen. Wenn oben eine weiße Haut entstanden ist, hat die Mutter halt gsagt, jetzt müss mas auswaschen. Ablaufdatum hats kans geben – und gsund war ma a immer. Das Fleisch ist mit gewöhnlichem Salz eingerieben worden und wenns kalt war, ein paar Wochen liegen blieben. Dann is in die Selch kommen. Das Gselchte ist in an großen Topf mit Schmalz einglegt worden. Wenn da Speck a schon gelb gworden ist, hamma halt den Rand weggschnitten – wegghaut is er net worden!
Waltraud erzählt: Als junges Diarndl hats ja ka Schul für mich geben und Lehrstell a net. So bin ich halt zur Herrschaft in den Wald arbeiten gangen. Zuerst bis Güssing zu Fuss, später dann mit dem Radl auf den Lehmstraßen. Es war oft so kotig, dass der Reifen im Kotflügel stecken blieben is. Im Wald hamma dann junge Bäume setzen müssen, oder Gstrüpp ausschneiden. Bei jedem Wetter und jeder Temperatur! Verdient hamma trotzdem net viel.
Franz erzählt: Früher hamma bis zu 8 Sauen ghabt. Manche waren eh fromm, aber abschlagen hammas trotzdem müssen, so mit 250kg. Die waren im Stall oft so kräftig, dass sie die Pfosten von den Zwischenwänden ausghoben haben. Jeden Tag des selbe, bis i die Pfosten alle zsammengnagelt hab, dann war a Ruah. In der Fruah und am Abend habens ihr Fressen kriagt: Schrot mit Wasser und Küchenabfälle.
Mitzi erzählt: An den feuchten Stellen im Garten war friacha a Lackn. Da haben die Männer mit der Schaufel a paar Meter tiaf graben, damit halt immer des Wasser drin gstanden is. Für die Viecha und a für uns. Brunnen hat ja net jeder ghabt. Und wenn da Nachbar ka Wasser aus seim Brunnen hergebn hat, hamma uns in der Lackn waschen müssen. Wasserleitung hat’s ja keine gebn. Einmal bin i als kleins Diarndl reingfalln, da hat mi der Nachbar grettet. Da hab i Glück ghabt.
Gerhard erzählt: Badezimmer hat’s lang kans gebn. Die Oma hat a Blechbadewann in den Garten gstellt und gwart bis das Wasser warm war oder manchmal a aufkocht. Dann haben sich alle nach der Reihe drin badt. Die Kleinsten zum Schluss.
Franz erzählt: Friacha waren halt mehr Leut auf der Straßen, vorm Haus. Da ist gredt worden und ma hat sich oft gsehen – net so wia heut wo alle vorm Fernseher sitzen und ma si nimmer siacht. Bei die Leitners is immer was los gwesen: mia san gmiatlich zsammgsessen und haben dazählt und gsungen und glacht – alle Buam und Diarndln mitanander. Wenn’s ausgsteckt haben, habns des Schlafzimmer ausgräumt und Tisch und Bankln reingstellt und es hat den selbergmachten Wein geben.
Mitzi erzählt: Mir haben ja oft 8 Sauen ghabt. Die klan Ferkeln hamma kauft und halt aufgfuttert bis zum Schlachten waren. So a Ferkerl hat 800 bis 1200 Schilling kost – a große Investition, aber mia habns ja bis 250kg gfuttert. Amol san glei zwei hintereinander eingangan, weil ma so a guats Futter ghabt haben, da is as Herz mitm Wachsen net mitkommen – des war a Verlust! Des Schlachten is immer 3 Tag Arbeit gwesen: an Tag alles herrichten, Sautrog, Ketten, Glockn, Waag, a Seil, falls as davonrennt. Am Schlachttag haben dann alle zamgholfen. Des Bluat is glei aufgfangen worden und für Bluatniegl verwendt worden. Des Restlfleisch is glei mit Kraut verkocht worden, so haben alle was zum Essen ghobt. Grammeln schneiden und rösten, Sauschedl und Haxln kochen fürd Sulz. Am dritten Tag des Fleisch zerteilen, alles putzen und wegräumen. Die Kinder haben dann ja nur mehr die schenen Stickln wollen, und dann haben ma aufghört mit de Sauen – des zahlt si heut afoch net mehr aus!

November 08

Ja, natürlich! Wir haben’s getan! Unsere Rosa musste leider sterben! Ich mache gerade das erste Mal in meinem Leben Erfahrungen mit Haustieren - schon musste es auch die mit dem Töten sein. Unser Schweinchen ist zu einer 75kg schweren Sau herangewachsen und damit wurde ihre Haltung einfach zu schwierig. Fleischhauer Wolfgang hat professionelle Arbeit verrichtet und so haben wir als Trost wenigstens gesundes Fleisch über den Winter. Ihr freundliches Grunzen und lustiges Galoppieren wird uns immer in Erinnerung bleiben, wenn wir an ihrem Platzerl vorbeigehen.
Rund ums neue Haus ging mit Baggerfahrer Joachim wieder einiges weiter: die endgültige Humusschichte ist aufgebracht, eine Steinmauer errichtet und die zwei Teiche ausgehoben. Ein Kleiner für die Gänse und der Große zu unserer Freude: als Blickfang, Wildoase, Ruhepol – der Natur überlassen. Im Haus gibt’s in nächster Zeit hauptsächlich Männerarbeit und so kann ich mich wieder Haushalt, Einwinterungs- und Bastelarbeiten widmen.

Wir haben am 28. und 30. November (15-20h bzw. 10-17h) eine Filiale im 17. Bezirk mit Natur-Adventkränzen und anderen Köstlichkeiten vom bauernhofweber: Gasthaus Seiser, Parhamerplatz 17. Punsch und Maroni gibt’s auch.


NEU:
Wo kennt man noch so eine Ruhe? In der Nacht, wenn ich mal ins Bad muss, mach ich das Fenster auf und horch auf die Stille – kein einziger Ton, nichts, leer. Im Herbst hat man noch die Nüsse fallen gehört – mit lautem Krachen durch die Äste knacksen. Und hin und wieder ein Apfel, schneller und mit stärkerem Platschen! Dann wieder tiefste Stille...
Zwei Bewohner gibt es schon an der neuen Adresse: unsere Heidschnucken – die Schafe Brownie und Brickerl. Wir haben den Bock bei meinem Bruder in der Steiermark abgeholt. und das Weibchen bei einem anderen Züchter in der Nähe. Die beiden Schnuckis kannten sich also noch gar nicht und mussten zwei Stunden im Anhänger verbringen, bis sie auf ihrer neuen Weide angekommen sind. Schüchtern waren sie beide am Anfang und doch haben sie sich gleich nebeneinandergestellt und werden so auch ihr weiteres Leben verbringen. Brownie, der Bock, hat natürlich, wie sich’s gehört, breiter ausladende Hörner. Brickerl stellt sich immer bescheiden hinter ihn – auch wenn sie ein bissl größer ist! Schon am zweiten Tag haben sie gewusst, dass wir es sind, die die köstlichen Äpfel bringen und haben uns aus der Hand gefressen. Sonst sind sie ja sehr bescheiden und werden nur Gras und im Winter Heu fressen. Ihre Lebensinhalte - fressen, stehen, schauen, liegen - strahlen ungemeine Ruhe aus und wirken unwillkürlich entschleunigend. Vorbilder für uns alle!

Oktober 08

Endlich: Arbeitsverbot im neuen Haus – die Dämmschicht und der Estrich wurden aufgebracht und wir dürfen 4 Wochen nicht ins Haus. Was nicht bedeutet, dass uns fad wird, denn Stall, Geräte- und Schafhütte müssen aufgestellt, Außenisolierung angebracht werden. Das herrliche Wetter nützen wir intensiv. Freizeit nur stundenweise – Wochenende? Was ist das?
Einjahresjubiläum für Gerhards Abstinenz von der Firma! Fazit: körperlich topfit, gesunde 15 kg abgenommen, alle seine Berufstalente werden voll genützt in unserem neuen selbstbestimmten Leben; von Mechaniker, Bauer, Tierbetreuer, Maurer, Tischler bis Palatschinkenkoch.
Im Garten laufen die Herbstarbeiten an: abernten der letzten Kohlrabi-, Paradeiser-, Rübenpflanzen (die Hasen freuen sich riesig), letzter Grasschnitt (für alle Viecher ein Hochgenuss), Nussernte täglich ein Kübel voll (die behalten wir uns selber). Die Exoten wollen noch ein paar Sonnentage: Litschibeere,
Erdbeerspinat, Topinambur, Ingwer, Zuckerkraut, Zitronengras, Süsskartoffel. Im Allgemeinen sind wir mit der heurigen Ernte mehr als zufrieden; besonders Erdäpfel kann ich bei einer Vermehrungsrate von 1:10 allen Börsianern wärmstens empfehlen...

Die Gänse mussten jetzt doch eingezäunt werden: lautes Schreien und Pfauchen bei jedem Auto, Menschen und Vogerl im Umkreis konnten wir den Nachbarn nicht mehr zumuten. Gustav&Gundi haben jetzt ihre Wiese hinterm Haus und müssen sich und uns nicht ständig verteidigen. Meine Hibiskussträucher können jetzt auch in Ruhe weiterwachsen;-) Stefanie, du kannst uns wieder besuchen kommen!

Vorsichtig können wir am frischen Estrich einen Rundgang in unserem Haus schon wagen – fantastisches Gefühl: Fenster bis zum Boden

(Fensterputzen wird sicher mein neues Hobby, besonders da fast alle Fenster nicht zu öffnen sind und von außen geputzt werden müssen!) und die Aussicht bis zur Burg Güssing! Ein paar Wochen wird es schon dauern, bis wir mit dem Fliesenlegen anfangen können. Aber sobald ein Klo und ein Bett Platz haben, werden wir provisorisch siedeln. Das stündliche Holzheizen im alten Haus wäre neben den Bauarbeiten gar nicht möglich und im neuen Haus heizt uns mühelos hauptsächlich die Sonne und die Erdwärme mithilfe einer kontrollierten Wohnraumlüftung – sparsam und am letzten technischen Stand. Die Super-Isolierung der Holzriegelwände macht unseres zu einem Niedrigstenergiehaus. Der Umzug aus dem alten Bauernhaus wird sich langsam vollziehen, bis zum Sommer könnten wir es dann als Ferienhaus vermieten. Langfristig wollen/müssen wir es natürlich wieder verkaufen; als Sommer/Wochenendhaus mit Bauernhof-Flair bestens geeignet!

September 08

Wir haben ein Haus!!! In einem Tag haben 6 zackige Burschen unser Haus aus –zig Holzriegelteilen bis spät in die Nacht zusammengeschraubt! Da kommst du im Kopf nicht mit: in der Früh noch nix da und am Abend steht schon ein ganzes Haus mit Zimmern, Fenster- und Steckdosenlöchern. Es ist genauso geworden, wie ich mir’s vorgestellt habe – nur noch schöner!Die sichtbaren Holzteile begeistern mich besonders – schauen einfach cool aus.
Die Tausender flitzen auf unserem Konto zur Zeit nur so hin und her – meistens hin, natürlich. Schlaflose Nächte sind ganz normal, denn wir wollen ja mit dem Geld von dem verkauften Haus auskommen um das Neue zu bauen. Zum täglichen Leben muss das Ersparte herhalten – gekauft wird ja nur das Nötigste, schließlich was brauchst du denn schon wirklich?! Beim Durchblättern der Werbeprospekte wird uns täglich bewusst, was wir alles nicht brauchen! Mit Heidi, einer auch alternativ denkenden Nachbarin, hatte ich kürzlich einen Wettbewerb: “Was ich alles nicht habe...“ Schön, immer wieder Leute zu treffen, die auch „sein“ und nicht „haben“ wollen.
Unser Leben hat sich ja seit dem Aussteigen aus der Tretmühle in vielem sehr geändert. Im Moment arbeiten wir mehr denn je – vor allem körperlich; mit „arbeitsscheu“ sollte man den Begriff Aussteiger also nicht unbedingt verbinden. Obwohl wir uns langfristig schon das Ziel gesetzt haben, ca. halbtägig zu arbeiten und den Rest der Zeit zu genießen mit aufgesparten Hobbys wie malen, lesen, Natur beobachten (Sterne, Schmetterlinge, unsere Tiere,...). Unser ehemaliger Zeitvertreib (?) Sport ist komplett abgekommen; nach einem physisch anstrengenden Tag auf der Baustelle, am Acker oder bei der Apfelernte wären Aktivitäten wie Tennis spielen, Wandern, Radfahren einfach absurd! Ist für uns im Moment auch natürlicher: ein Leben im Freien, wo Körper, Geist und Seele ausgeglichen beansprucht werden.
Apropo: die Äpfel sind reif und wunderschön. Wir haben von unseren 16 Bäumen insgesamt 640kg (ja wirklich, auf der Brückenwaage gewogen!) gepflückt und zum Obstpressen und Pasteurisieren gebracht: bei 6 cent pro Kilo sind sich 36 Flaschen im Tausch ausgegangen – nach 8 Stunden Arbeit und etlichen Kilometern. Wieder nix zum reich werden! Leute, kommt euch Bio-Äpfel holen!
Unser Sonnenschein Rosa ist uns – was sicher nur andere Schweinebesitzer oder vielleicht noch unsere Besucher verstehen können – richtig ans Herz gewachsen. Sie bemerkt uns immer, schaut uns beim Vorbeigehen erwartungsvoll an, ist glücklich wenn wir nur in der Nähe sitzen und ansonsten den ganzen Tag höchst aktiv und bei Regen besonders lustig aufgelegt. Ihr inneres Streben ist es, ihren Garten möglichst ernsthaft, tief und lückenlos durchzugraben – und zwar täglich. Ihre Muskeln sind dabei von Rüssel bis Schwänzchen aufs Äußerste angespannt und voll durchtrainiert. Sie gönnt sich nur wenige Ruhpausen am Tag, schläft dann aber tief und träumt was Schönes, was man an ihren zuckenden Beinchen oder Ohren erkennen kann. Am allerschönsten ist aber Duschen: da laufen die Nachbarn zusammen, wenn Rosa den Gartenschlauch kriegt und sie wieder und wieder, wie in der Arena, durch den Wasserstrahl rennt um sich abzukühlen, danach abzuschütteln und gleich anschließend in den Gatsch zu hauen. Nicht auszudenken, wie und wann ihr Leben enden wird...
Häuslbauen ist – wie viele schon wissen – ein hartes Leben – körperlich unheimlich anstrengend, geistig ständig im Alarmzustand wegen Terminen und Preisen, aber es geht viel weiter, wir lernen täglich Neues: Spachteln, Ausdauer und Respekt vor dem Handwerk. Es macht Freude, Fortschritte zu sehen, zu denen wir selbst wesentlich beigetragen haben. Das Haus steht wunderschön in der Landschaft, von außen fast fertig, innen haben wir die Deckenisolierung und –verschalung selbst angebracht (Hilfe nur von 2 maskierten Außerirdischen), Installation folgt in den nächsten Tagen. Verputz und Estrich werden von den Profis erledigt, der Rest liegt dann bei uns – die Terminplanung auch!